La Vérité

Die Wahrheit

Regie: Henri-Georges Clouzot 1960

I Film

Die Wahrheit  (Originaltitel: La vérité) ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Henri-Georges Clouzot aus dem Jahr 1960. Brigitte Bardot  widerfuhr mit ihrer Rolle in diesem Gerichts- und Liebesdrama erstmals Anerkennung als ernsthafte Darstellerin. Der Film geriet zu einem Riesenerfolg: mit über 5 Millionen Eintritten war er in Frankreich einer der bestbesuchten einheimischen Filme der frühen 1960er Jahre: In der Bundesrepublik startete die Produktion Ende 1960 mit der Altersfreigabe 18 Jahre. Der Film war 1961 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.

siehe zum Film  Wikipedia (deutsch) und  Wikipedia (französisch).

II Regie und Besetzung

Henri-Georges Clouzot  (* 20. November 1907 in Niort; † 12. Januar 1977 in Paris) war ein französischer Filmregisseur.

Zur Biografie siehe  Wikipedia.

Brigitte Bardot spielt die Angeklagte Dominique Marceau, Marie-José Nat  Dominiques Schwester Annie,  Sami Frey den Musikstudenten Gilbert Tellier, Paul Meurisse den Ankläger Maître Éparvier, Charles Vanel  den Verteidiger Maître Guérin und Louis Seigner  den Gerichtspräsidenten.

Siehe zur Besetzung nochmals Wikipedia (deutsch), auch zu  Brigitte Bardot.

III Handlung

Abschnitte III und IV übernommen aus Wikipedia

Dominique, ein einfaches Mädchen, deren Eltern ihre Schwestern bevorzugen, kommt mit ihrer Schwester Annie in die große Stadt Paris und verkehrt in Studenten- und Künstlerkreisen. Sie führt ein unstetes Leben und versucht, sich ohne nachhaltige Arbeit durchzuschlagen. Eines Tages lernt sie den Freund ihrer Schwester, den Musikstudenten und angehenden Dirigenten Gilbert, kennen. Er verliebt sich in die schöne, lasziv auf dem Bett liegende Dominique. Darüber verkrachen sich die beiden Schwestern, und Dominique kommt bei Daisy unter.

Dort sucht Gilbert sie auf und umwirbt sie. Dominique lässt ihn zappeln, sie gehen zusammen aus, doch die launenhafte Dominique ist auch anderen Männern nicht abgeneigt. Dominique und Gilbert kommen aber immer wieder zusammen. Eines Tages kommt es zum Krach wegen eines anderen Mannes, worauf es zur Trennung kommt.

Einige Zeit später sieht Dominique Gilbert im Fernsehen dirigieren, und sie geht zu ihm. Sie verbringen die Nacht zusammen, doch am nächsten Morgen trennt sich Gilbert von ihr. In der Zwischenzeit sind Gilbert und Annie wieder zusammengekommen und wollen heiraten.

Dominique, die aufgrund der sehr ungerecht empfundenen Behandlung bereits einmal Selbstmord verüben wollte, wird schwermütig. Sie will sich vor Gilbert erschießen. Als sie ihn aufsucht, ist dieser jedoch ungehalten und will sie loswerden. Sie richtet die Pistole gegen sich. Er redet sich in Rage, beschimpft sie und sagt ihr, sie solle sterben. Im Affekt richtet Dominique die Waffe auf Gilbert und drückt mehrmals ab. Als sie sich daraufhin selbst richten will, ist keine Kugel mehr in der Waffe. Sie dreht den Gashahn auf, um ebenfalls zu sterben. Sie wird von aufmerksamen Besuchern gerettet, und vor Gericht wird ihr der Prozess gemacht.

Anklage und Nebenkläger, die Gilberts Mutter vertreten, nehmen sich die vielen Angriffspunkte in ihrem Lebenswandel vor, die dem Gerede der Leute entspringen. Im verbalen Schlagabtausch zwischen den Anwesenden treffen stark unterschiedliche Moral- und Lebensvorstellungen aufeinander. Dominiques Verteidiger versucht, ihre Tat mit Gilberts Verhalten zu rechtfertigen, um sie so zu retten, doch sie weigert sich, sein Andenken in den Schmutz zu ziehen. Das Abgeben der Schüsse ist unstrittig. Ob die Todesstrafe droht, hängt jedoch davon ab, ob die Tat geplant war. Im Prozess sagt auch ihre Schwester gegen sie aus. Der Prozess ist geprägt von persönlichen Angriffen auf Dominique und Halbwahrheiten, nicht zuletzt durch den Anwalt der Nebenklage. Das alles ist schließlich zu viel für Dominique, die sich in ihrer Zelle nachts die Pulsadern aufschneidet. Am nächsten Tag verliest der Gerichtspräsident ihren Abschiedsbrief, in dem steht, dass sie nur Gilbert geliebt habe. Er habe sie auch geliebt, „nur liebten wir uns nicht zur gleichen Zeit“. Als der Gerichtspräsident die Nachricht ihres Todes erhält, bricht er ab und erklärt das Verfahren für eingestellt.

Siehe auch die Filmbeschreibung auf ard.de anläßlich der Ausstrahlung im März 2014.

IV Hintergrund

Clouzot  wohnte 1959 einem Gerichtsverfahren bei, das ihn inspiriert hat. Er wollte die Mehrdeutigkeit und Ungewissheit von Wahrheit vorführen und ein Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen. Er zeigt das Geschehene abschnittsweise in chronologisch angeordneten Rückblenden, anschließend wird über jeden Abschnitt im Gerichtssaal verhandelt. Wir sehen zuerst die „Wahrheit“ und erkennen danach die Lügen in den Behauptungen der Ankläger, Strafverteidiger und Zeugen. Die Wahrheit ist also nicht Ziel von Clouzots Ermittlungen, sondern ein als gegeben angenommenes Werkzeug der Gesellschaftsanalyse. Auch für Ankläger und Verteidiger ist nicht die Wahrheitssuche das Ziel; sie fechten vielmehr einen Wettkampf aus und reichen sich nach Beendigung des Verfahrens die Hand wie zwei Sportler nach einem Spiel. Als wichtigsten Antrieb für die Lügen der Aussagenden präsentiert Clouzot die damalige Sexualmoral und die vorherrschende Vorstellung von einem anständigen Leben. Dominique fällt ein Urteil über die Gesellschaft, indem sie den Tod der Möglichkeit vorzieht, in dieser Gesellschaft weiterzuleben.

Clouzot  meinte, die Justiz bringe Gefühlen keine Wertschätzung entgegen. Sein Film beklagt das Justizsystem, in dem Männer um die fünfzig im Fall von Dominique über die junge Generation urteilen, die sie nicht verstehen. Sie kommen aus bürgerlichen Schichten; die ihnen vorliegenden Fälle haben sich oft in Milieus ereignet, die ihnen unbekannt sind. Das Justizsystem stellt nicht Dominiques Tat unter Anklage, sondern ihren Lebenswandel. Umgekehrt präsentiert Clouzots Inszenierung die jungen Leute als sympathischer als die älteren. Clouzot:  „Ich bin gegen jegliche Todesstrafe und missbillige Attentate ebenso wie die Weise, wie man sie verfolgt.“ Seine Äußerung zu diesem Film ist im Zeitzusammenhang zu sehen: Frankreich stand seit 1954 im Algerienkrieg, Attentäter verübten viele Anschläge auf französischem Boden, und die Todesstrafe wurde häufig verhängt (siehe zum Algerienkrieg auch L'honneur d'un capitaine),

V Hinweise zu dieser Webseite

  1. Die Zitate aus der freien Enzyklopädie Wikipedia zum Film, zum Regisseur und zu Brigitte Bardot   (mit den jeweils aus der Verlinkung ersichtlichen Quellenangaben) erfolgen im angeführten Umfang zur Erläuterung des Inhaltes der Webseite.
  2. Personenbezogene Daten ergeben sich aus dem Film, der Filmbeschreibung sowie aus dem Bekanntheitsgrad des Regisseurs Clouzot  als  französischer Hitchcock (siehe ARD) und der Hauptdarstellerin Brigitte Bardot.

Zurück zum Seitenanfang