I Autor und Werk
Moses Joseph Roth (* 2. September 1894 in Brody, Ostgalizien, Österreich-Ungarn; † 27. Mai 1939 in Paris) war ein österreichischer Schriftsteller und Journalist.
Zur Biografie siehe Wikipedia, Geschichte Wiki Wien und die Homepage Josef Roth.
Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters ist ein Roman von Joseph Roth, der 1937 im Querido-Verlag Amsterdam erschien. Er handelt vom allzu redlichen österreichisch-ungarischen Eichbeamten Anselm Eibenschütz, der im galizischen Bezirk Zlotogrod Feindschaft, Liebe und einen frühen Tod findet.
II Inhalt
Zitat aus Wikipedia:
Eichmeister Anselm Eibenschütz stammt aus dem mährischen Städtchen Nikolsburg, hat zwölf Jahre als Unteroffizier bei der Artillerie gedient und im Regiment seine Heimat gefunden. Auf Betreiben seiner Frau Regina, die ihn ganz für sich haben will, hat Eibenschütz widerwillig Kaserne, Uniform, Kameraden und Freunde verlassen. Jeder Längerdienende hat das Recht auf einen Posten und Eibenschütz wäre gerne als Sequester oder Konzipist in seine Heimat zurückgekehrt, doch in ganz Mähren werden keine solchen benötigt. Also muss Eibenschütz eine Stelle als Eichmeister annehmen und zieht mit seiner Frau nach Zlotogrod in den äußersten Osten des Reiches, unmittelbar an die russische Grenze. Dort wird die Staatsgewalt verachtet und der verstorbene Eichmeister war aufgrund seiner Untätigkeit geschätzt. Eibenschütz jedoch nimmt seine neue Aufgabe sehr ernst und bringt mehrere Kaufleute vor Gericht, wodurch er sich allgemein verhasst macht. Da regt sich Widerstand; zunächst in Form von ein paar Denunziationsbriefen. Einer der Feinde und Briefeschreiber besitzt die Grenzschenke im Dorf Szwaby und nennt sich Leibusch Jadlowker. Dieser vierschrötige, untersetzte, jähzornige Gastwirt und Gemischtwarenhändler, der eigentlich Kramrisch heißt, beherbergt Landstreicher, Diebe, Räuber sowie russische Deserteure und verfertigt falsche Gewichte. Jadlowker war Hafenarbeiter in Odessa und musste wegen eines Totschlags (vgl. Tötungsdelikt) aus Russland flüchten.
Eibenschütz macht seine Frau verantwortlich für die Klemme, in der er steckt. Er begehrt Regina längst nicht mehr. Seine Frau beginnt eine Affäre mit Eibenschütz' Untergebenen, dem jungen Amtsschreiber Nowak, und befürchtet, schwanger geworden zu sein. Durch eine Denunziation und Reginas plötzliches Drängen auf Beischlaf aufmerksam geworden, gelingt es ihm, die Affäre aufzudecken und geräuschlos eine Versetzung Nowaks zu erwirken. Den Kontakt zu seiner Frau beschränkt er nun auf das Allernötigste. Stattdessen beginnt Eibenschütz häufiger in der Grenzschenke zu verkehren und verguckt sich dort in die Zigeunerin Euphemia Nikitsch. Sie ist die Freundin Jadlowkers und wohnt in der Grenzschenke. Dem bald darauf von seiner Frau geborenen Sohn des Josef Nowak begegnet Eibenschütz mit Abscheu und Gleichgültigkeit.
Als der Eichmeister bald darauf auf einem Markt Jadlowker beim Fischverkauf ohne Konzession erwischt, leistet dieser heftigen Widerstand. Jadlowker wird daraufhin zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und Eibenschütz behördlicherseits als vorläufiger Verwalter der Grenzschenke bestimmt. Jadlowker hatte auf die Grenzschenke mehrere Hypotheken aufgenommen. Einer der Gläubiger ist Kapturak, ein Freund Jadlowkers und durchtriebener Geschäftemacher. Der biedere, schwerfällige Eibenschütz erfährt bei Euphemia im Bett die erste Liebe seines Lebens und wohnt fortan faktisch in der Grenzschenke. Das Glück währt nur kurz. Ein dritter Geliebter der Zigeunerin, der Maronibrater Konstantin Sameschkin, kommt im Herbst mit Säcken voller Kastanien daher und macht ältere Rechte auf die Schöne geltend. Euphemia trennt sich vom Eibenschütz. Dieser bleibt in der Schenke wohnen, ergibt sich dem Trunke und vernachlässigt seine Amtsgeschäfte.
Die Cholera bricht aus und rafft die Menschen dahin. Zwar sehnt sich Eibenschütz nach dem Tode, doch es sterben Frau und Kind. Die Epidemie grassiert. Schließlich müssen Sträflinge aus dem Zloczower Kerker verpflichtet werden, um die Leichen aus den Häusern zu holen. Unter den Leichenträgern befindet sich Jadlowker. Kapturak verschafft dem Sträfling die Identität eines Cholera-Toten und verbirgt den Freund im Hause. Unter dem Einfluss eines neuen Gendarmen waltet Eibenschütz seines Amtes gestrenger und unbarmherziger als je zuvor. Jadlowker befürchtet seine Entdeckung und verlässt seinen Unterschlupf. Haupthindernis seiner Rückkehr unter neuer Identität in seine alte Wirkungsstätte ist Eibenschütz. Deswegen – und aus Rache – erschlägt er den Eichmeister, um den niemand trauert. Der Mörder und Kapturak werden inhaftiert. Euphemia bleibt in der Schenke und Sameschkin zieht, angewidert von den örtlichen Verhältnissen, auf immer davon.
III Printausgaben
Joseph Roth: Romane 3. Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters. Köln 1999, ISBN 3-462-02379-9, S. 135–2
Fritz Hackert (Hrsg.): Joseph Roth Werke 6. Romane und Erzählungen 1936–1940. Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters. Roman. 1937. Mit einem Nachwort des Herausgebers. Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7632-2988-4, S. 127–224.
IV Online-Ausgabe
V Adaption
Verfilmung
Der Film Das falsche Gewicht von Bernhard Wicki mit Helmut Qualtinger als Anselm Eibenschütz, Agnes Fink als Regina Eibenschütz, Evelyn Opela als Euphemia Nikitsch und Bata Živojinović als Leibusch Jadlowker in den Hauptrollen wurde 1971 produziert. Wicki gewann dafür das Filmband in Gold.
Der Film ist eine ungewöhnlich detailgetreue Verfilmung des Romans, die vom 16. Februar bis zum 22. April 1970 im Atelier Pasarét Budapest gedreht wurde. Die Außenaufnahmen entstanden in Vác, Sződliget und in der Umgebung von Budapest. Die Filmbauten entwarf Otto Pischinger. Der Film war ursprünglich ein Fernsehfilm für das ZDF, der Anfang 1973 auch in die Kinos kam ⇒ mehr zum Film in Wikipedia und auf filmportal.de.
VI Kommentare
Rösch erwähnt in Justiz und Fiktion - Recht als Gegenstand der Literatur und Literatur als Gegenstand des Rechts - im Rezensionsforum Literaturkritik.de (Zitat):
In Joseph Roths Das falsche Gewicht (1937) erscheint das Recht als eine zwiespältige Aufgabe, denn die vom Eichmeister Eibenschütz personifizierte Rechtlichkeit wird zum Auslöser seiner Isolation und seines persönlichen wie moralischen Verfalls.
Paula Linhart führt in der Filmkritik des Filmportals vom 06.09.1973 ua aus, dass (Zitat):
Qualtingers Eibenschütz eine verschlossene Figur ist, die mit schweren Schritten in ihre Katastrophe stapft wie in den Morast der Dorfwege, über verhärtenden Gerechtigkeitswahn ebenso stolpernd wie über ihr sensibles Inneres. Sie spielt so erfolgreich gegen die Figur des „Herrn Karl" an, als hätte sie sie nie gegeben! Dieser Film zeigt in exemplarischer Weise, wie sich Können in Kunst verwandeln kann.
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